Zerbricht der April-Waffenstillstand? Iran greift US-Stützpunkt an und droht mit Eskalation

Der fragile Waffenstillstand zwischen Washington und Teheran steht erneut auf der Kippe. Nach US-Angriffen auf iranische Ziele hat die Revolutionsgarde mit einem gezielten Gegenschlag reagiert und eine unmissverständliche Warnung ausgesprochen. Gleichzeitig laufen sensible Verhandlungen über eine Verlängerung der Feuerpause – die Lage bleibt hochbrisant.

Das Korps der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) hat einen Vergeltungsschlag auf einen von den USA genutzten Luftstützpunkt durchgeführt. Zuvor hatten amerikanische Streitkräfte am Wochenende Ziele im Süden Irans angegriffen.

Der jüngste Schlagabtausch belastet den fragilen Waffenstillstand, der im April nach mehr als einem Monat Kämpfe vereinbart worden war. Auslöser der damaligen Auseinandersetzungen waren amerikanische und israelische Luftangriffe auf Iran. Washington und Teheran verhandeln derzeit über ein Memorandum of Understanding (MOU), das die Feuerpause um weitere 60 Tage verlängern und die Gespräche über das iranische Atomprogramm wiederaufnehmen soll.

Das US-Zentralkommando (CENTCOM) erklärte am Montag, es habe am Samstag und Sonntag "abgemessene und gezielte Schläge" geführt. Diese seien eine Reaktion auf "aggressive iranische Handlungen" gewesen, darunter der Abschuss einer US-MQ-1-Drohne über internationalen Gewässern. Teheran warf Washington vor, während des laufenden Waffenstillstands "unberechtigte Aggression" begangen zu haben.

Iran hatte den Abschuss der Drohne am Sonntag bekanntgegeben und erklärt, die Maschine habe den iranischen Luftraum über dem Persischen Golf verletzt.

Laut CENTCOM griffen US-Kampfjets iranische Radar- und Führungsstellen für Drohnen auf Goruk und der Insel Qeschm an.

Die IRGC erklärte später, sie habe auf einen amerikanischen Angriff auf einen Kommunikationsturm auf der iranischen Sirik-Insel reagiert. Das iranische Militär habe "den Luftstützpunkt, von dem aus der Angriff gestartet wurde, ins Visier genommen und die vorgegebenen Ziele zerstört", hieß es in einer Stellungnahme.

Die genaue Lage des angegriffenen Stützpunktes wurde nicht mitgeteilt. Die kuwaitische Nachrichtenagentur KUNA hatte zuvor berichtet, dass die Luftabwehr des Golfstaats anfliegende Raketen und Drohnen abgefangen habe.

Die Revolutionsgarde warnte: "Sollte die Aggression wiederholt werden, wird die Antwort völlig anders ausfallen" – und machte die USA dafür verantwortlich.

Parallel dazu nimmt Iran nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim Änderungen an einem Entwurf für das MOU vor. US-Präsident Donald Trump soll am Sonntag einen härteren Vorschlag an Teheran gesandt haben. Die Verhandlungen über den Text laufen weiter, beide Seiten schlagen regelmäßig Änderungen vor.

Der ranghohe iranische Unterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf hatte zuvor betont, Teheran vertraue den Zusagen der USA nicht und werde keinem Abkommen zustimmen, "bis wir sicher sind, dass wir die Rechte der iranischen Nation gewahrt haben."

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