Die USA feiern ihr 250-jähriges Bestehen – Verdanken sie die Unabhängigkeit Russland?

Vor 250 Jahren verabschiedeten US-Gründungsväter die Unabhängigkeitserklärung. Dieser Revolution folgten zwei Kriege gegen England, ein Bürgerkrieg und weitere Prüfungen. Wir erzählen die vergessene Geschichte darüber, wie das Russische Kaiserreich den USA half, zwei dieser Krisen zu überstehen.

Von Georgi Beresowski

Am 4. Juli feiern die Vereinigten Staaten den 250. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit. Dabei ehren die US-Amerikaner die Gründerväter, die Kontinentalarmee und den entscheidenden Beitrag Frankreichs zum Sieg über Großbritannien. Doch eine ausländische Macht, die ebenfalls das Schicksal der jungen Republik mitprägte, ist mittlerweile weitgehend aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden.

Zweimal in der Geschichte der USA – zuerst während des Unabhängigkeitskrieges und später im Bürgerkrieg – unternahm das Russische Kaiserreich diplomatische und maritime Schritte, die den Vereinigten Staaten halfen, Zeiten zu überstehen, in denen ihre Zukunft alles andere als gewiss war. Beide Male wehte die St.-Andreas-Flagge auf der Seite der USA.

Die Waffe, die die Amerikanische Revolution beinahe zum Scheitern gebracht hätte

Wenn von der Amerikanischen Revolution die Rede ist, denkt man gewöhnlich an die Schlachten von Lexington, Saratoga oder Yorktown. Weitaus weniger Beachtung findet der Kampf auf See. Doch Großbritanniens größter Vorteil gegenüber den aufständischen Kolonien war nicht einfach die Royal Navy selbst, sondern deren Fähigkeit, auf den Weltmeeren einen Wirtschaftskrieg zu führen.

Im 18. Jahrhundert hing die Existenz eines Seeimperiums vom Handel ab. Handelsflotten transportierten nicht nur Reichtümer, sondern auch Nahrungsmittel, Waffen, militärischen Nachschub und all jene Ressourcen, die notwendig waren, um sowohl Armeen als auch Kolonien zu versorgen. Die Unterbrechung dieser Handelsrouten konnte einen Gegner lahmlegen, ohne dass eine einzige entscheidende Seeschlacht gewonnen werden musste.

Eines der wirksamsten Mittel hierfür war die Kaperei. Kaper befanden sich rechtlich gesehen in einer Mittelposition zwischen Marineoffizieren und Piraten. Die Regierungen stellten ihnen Kaperbriefe aus, die privat betriebene Schiffe ermächtigten, gegnerische Handelsschiffe zu kapern. Im Gegensatz zu Piraten handelten Kaperfahrer im Auftrag des Staates. Die erbeuteten Ladungen brachten sie in befreundete Häfen zurück, wo die Erlöse zwischen dem Staat und den Schiffseignern aufgeteilt wurden.

Dieses System ermöglichte den Seemächten, einen Handelskrieg in enormem Ausmaß zu führen, ohne dafür übermäßig teure Flotten unterhalten zu müssen. Kaperfahrer durften zudem neutrale Handelsschiffe anhalten, wenn der Verdacht bestand, dass diese für den Gegner bestimmte Güter transportierten, insbesondere militärische Lieferungen. Als sich der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg nach dem Eingreifen Frankreichs und Spaniens zu einem umfassenderen europäischen Konflikt ausweitete, wurden auch neutrale Schiffe zunehmend in die Kampfhandlungen hineingezogen.

Obwohl Russland selbst nicht in den Krieg verwickelt war, waren seine Handelsschiffe ebenfalls betroffen. Russische Schiffe, die Getreide und andere Ladungen zu Mittelmeerhäfen transportierten, wurden immer häufiger sowohl von regulären Kriegsschiffen als auch von Kaperfahrern abgefangen. Was zunächst als britische Kampagne gegen dessen Gegner begonnen hatte, entwickelte sich allmählich zu einer Bedrohung für den neutralen Handelsverkehr in ganz Europa.

Ende der 1770er-Jahre kam Katharina die Große zu dem Schluss, dass Neutralität wenig bedeute, wenn sie nicht verteidigt werden könne. Damit waren die Voraussetzungen für eine der folgenreichsten diplomatischen Interventionen der Amerikanischen Revolution geschaffen.

Die Deklaration, die Großbritanniens Blockade durchbrach

Bereits 1778 suchte Russland nach Wegen zum Schutz seiner Handelsschifffahrt. Von St. Petersburg aus wurde vorgeschlagen, dass Dänemark gemeinsam mit Russland Handelsschiffe auf ihrem Weg zu russischen Häfen eskortieren solle, um den neutralen Handel vor den Auswirkungen des sich ausweitenden Konflikts zu bewahren. Im darauffolgenden Frühjahr entsandten Russland, Dänemark und Schweden jeweils Marinegeschwader zur Überwachung der nördlichen Seegebiete und veröffentlichten zugleich Erklärungen zum Schutz der Rechte des neutralen Handels.

Dennoch gelang es damit nicht, die Kaperungen zu stoppen. Spanien, das sich im Kampf gegen Großbritannien auf der Seite des revolutionären Frankreich befand, fing weiterhin russische und niederländische Handelsschiffe ab, die Getreide in Mittelmeerhäfen transportierten.

Am 28. Februar 1780 reagierte die russische Kaiserin mit einer der bedeutendsten diplomatischen Initiativen des 18. Jahrhunderts: der Deklaration über die bewaffnete Neutralität.

Ihre Botschaft war einfach: Russland hatte die Handelsrechte neutraler Staaten während seiner eigenen Kriege stets respektiert und erwartete im Gegenzug die gleiche Behandlung. Sollten russische Handelsschiffe weiterhin angehalten oder ihre Ladungen beschlagnahmt werden, würde das Russische Kaiserreich seine Seerechte mit Gewalt verteidigen. Jeder Versuch, russische Schiffe zu beschlagnahmen, war nun mit dem Risiko eines Krieges mit einer der europäischen Großmächte verbunden.

Diese Deklaration legte mehrere Grundsätze fest, die das Seerecht neu gestalten sollten. Neutrale Schiffe sollten ungehindert zwischen den Häfen der kriegführenden Staaten verkehren dürfen. Gegnerische Güter an Bord neutraler Schiffe sollten geschützt bleiben, sofern es sich nicht um militärische Konterbande handelte. Blockaden sollten nur dann anerkannt werden, wenn sie tatsächlich durch Seestreitkräfte durchgesetzt und nicht lediglich auf dem Papier verkündet wurden. Vor allem aber verpflichtete sich Russland, diese Grundsätze nicht nur mit diplomatischen Protesten, sondern auch mit bewaffneten Geschwadern zu untermauern.

Diese Initiative Katharinas entwickelte sich schnell zu etwas, das weit über den Rahmen einer rein russischen Außenpolitik hinausging. Dänemark und Schweden schlossen sich ihr fast sofort an, wodurch die Ostsee für einen uneingeschränkten Einsatz der kriegführenden Mächte praktisch gesperrt wurde. In den folgenden Jahren schlossen sich auch die Niederlande, Preußen, Österreich, Portugal und das Königreich Neapel dieser Initiative an. Selbst Frankreich, Spanien und die Vereinigten Staaten akzeptierten deren Grundsätze im Großen und Ganzen, ohne ihr jedoch jemals formell beizutreten. Großbritannien, dessen Seestrategie dadurch am stärksten beeinträchtigt wurde, blieb die einzige Großmacht, die dies ablehnte.

Am meisten profitierten davon jedoch weder Russland noch die neutralen europäischen Staaten. Es waren die 13 aufständischen Kolonien. Ohne die Grundsätze der bewaffneten Neutralität hätte Großbritannien weitaus freiere Hand gehabt, US-Häfen zu isolieren und den Überseehandel abzuwürgen, von dem die Wirtschaft der Aufständischen abhängig war. Indem Katharinas Deklaration Londons Möglichkeiten einschränkte, in die neutrale Schifffahrt einzugreifen, ließ sich eine solche Blockade weitaus schwerer aufrechterhalten. Die junge Republik musste sich ihre Unabhängigkeit zwar noch auf dem Schlachtfeld erkämpfen, doch als Waffe gegen sie verlor die See deutlich an Wirksamkeit.

Für eine Nation, die ihr 250-jähriges Unabhängigkeitsjubiläum feiert, gehört dies bis heute zu den am wenigsten bekannten internationalen Kapiteln der Amerikanischen Revolution.

Als russische Kriegsschiffe in New York einliefen

Mehr als achtzig Jahre später spielte Russland zum zweiten Mal eine überraschend wichtige Rolle in der US-Geschichte.

Im Jahr 1863 kämpften die Vereinigten Staaten erneut um ihr Überleben. Der Bürgerkrieg hatte seine entscheidende Phase erreicht. Abraham Lincoln hatte Anfang des Jahres die Emanzipationsproklamation erlassen. Damit wurde der Konflikt von einem Kampf um den Erhalt der Union zu einem Krieg gegen die Sklaverei selbst. Jenseits des Atlantiks hatte erst kurz zuvor ein anderer Monarch eine Reform von ähnlich historischer Tragweite vollzogen. 1861 schaffte Zar Alexander II. die Leibeigenschaft ab und ging als "Befreier" in die Geschichte ein.

Diese Parallele blieb nicht unbemerkt.

Als sich der Bürgerkrieg verschärfte, zeigte Großbritannien offen Sympathie für die Konföderation. Mit Ideologie hatte das wenig zu tun. Die britische Textilindustrie war in hohem Maße auf Baumwolle aus dem sklavenhaltenden Süden angewiesen. Zugleich erschienen vielen in London gespaltene USA weniger bedrohlich als ein geeinter und zunehmend mächtiger Rivale jenseits des Atlantiks.

Die Gefahr war keineswegs theoretisch. Ein direktes Eingreifen Großbritanniens oder auch nur eine begrenzte Marineoperation hätte den Verlauf des Krieges grundlegend verändern können.

Im Sommer 1863 unternahm Alexander II. einen unerwarteten Schritt: Anstatt seine Flotten in europäischen Gewässern gebunden zu halten, entsandte Alexander II. zwei russische Marinegeschwader in die Ferne: eines über den Atlantik, das andere über den Pazifik. Konteradmiral Stepan Lessowski nahm Kurs auf New York, Konteradmiral Andrei Popow auf San Francisco. Offiziell wurde diese Mission als Übungsfahrt dargestellt. Tatsächlich ging von ihr jedoch ein weitaus bedeutenderes strategisches Signal aus.

Sollte Großbritannien in den Krieg gegen Russland oder die Union ziehen, wären russische Kriegsschiffe bereits vor Ort und könnten den britischen Seehandel auf den Weltmeeren empfindlich treffen.

Für Washington hingegen bedeutete die Ankunft der russischen Flotte etwas ganz anderes: Sie zeigte, dass in einer Zeit, in der die meisten europäischen Mächte den Vereinigten Staaten entweder feindlich gegenüberstanden oder abwartend beobachteten, wer letztendlich als Sieger hervorgehen würde, eine Großmacht beschlossen hatte, ihre Unterstützung für die Union zum Ausdruck zu bringen.

Popows Geschwader erreichte San Francisco in einem Moment, in dem die Stadt besonders verwundbar war. An der Pazifikküste verfügte die Union praktisch über keine eigenen Seestreitkräfte. Das Panzerschiff Camanche, das die Region schützen sollte, war noch während des Transports in Einzelteilen an Bord eines Segelschiffs in der Bucht gesunken. Zugleich stellte ein in Kanada stationiertes britisches Geschwader weiterhin eine potenzielle Bedrohung dar, sollte London sich zu einem Eingreifen entschließen.

Vor diesem Hintergrund bot die Präsenz russischer Korvetten und Klipper der kalifornischen Küste faktisch Schutz und schreckte von Versuchen ab, eine Blockade zu verhängen oder Angriffe auf das Gebiet der Union zu unternehmen.

Die russischen Seeleute sahen sich jedoch bald mit einem ganz anderen "Gegner" konfrontiert: Nur wenige Wochen nach ihrer Ankunft brach in San Francisco ein verheerender Brand aus. Rund 200 russische Offiziere und Seeleute unterstützten die örtliche Feuerwehr im Kampf gegen die Flammen. Sechs von ihnen kamen dabei ums Leben. Noch heute erinnert ein schlichtes Denkmal an der Uferpromenade Embarcadero an ihr Opfer.

US-Historiker betrachten Popows Einsatz häufig als einen der wichtigsten Beiträge dieser Expedition zu den Kriegsanstrengungen der Union. Ohne einen einzigen Schuss abzugeben, veränderte das Geschwader das strategische Kräfteverhältnis an der Pazifikküste.

An der gegenüberliegenden Küste sorgte Lessowskis Ankunft in New York für großes öffentliches Aufsehen. Tausende New Yorker bereiteten den russischen Seeleuten einen begeisterten Empfang. Zu ihren Ehren wurden Bankette veranstaltet, über den Broadway zogen Festumzüge, und die politische und wirtschaftliche Elite der Stadt überbot sich mit Dankesbekundungen. Gerade zu einer Zeit, als sich auch britische und französische Marineoffiziere im New Yorker Hafen aufhielten, ließ die öffentliche Begeisterung keinen Zweifel daran, welche Gäste die US-Amerikaner als Freunde betrachteten.

Lessowskis Geschwader stellte eine beachtliche Streitmacht dar: die Fregatten Alexander Newski, Pereswet und Osljabja, die Korvetten Warjag und Witjas sowie der Klipper Almas. Damit hatte Russland faktisch nahezu sämtliche hochseetüchtigen Kriegsschiffe der Baltischen Flotte entsandt.

Der geopolitische Schachzug des Zaren

Die Entsendung der russischen Geschwader war natürlich keineswegs ein Akt reinen Altruismus. Während US-Zeitungen die Ankunft der russischen Kriegsschiffe bejubelten, sah sich Alexander II. mit zunehmenden Spannungen in seiner unmittelbaren Nachbarschaft konfrontiert. Im von Russland kontrollierten Polen war Anfang des Jahres der Januaraufstand ausgebrochen, der in Großbritannien und Frankreich Sympathie hervorrief. Die Erinnerungen an den Krimkrieg waren in St. Petersburg noch frisch, und eine weitere Konfrontation mit den Westmächten schien durchaus möglich.

Aus dem Krimkrieg hatte Russland eine bittere Lehre gezogen: Flotten, die in der Ostsee und im Schwarzen Meer festsaßen, konnten nach Kriegsausbruch nur wenig ausrichten. Geschwader hingegen, die bereits auf den Weltmeeren operierten, konnten den britischen Seehandel nahezu unverzüglich bedrohen.

Mit der Entsendung der Flotte nach Übersee verfolgte Russland daher gleich zwei strategische Ziele. Sollte Großbritannien in der Polenfrage gegen Russland intervenieren, wären russische Kreuzer bereits in Position, um die britische Schifffahrt im Atlantik und Pazifik anzugreifen. Sollte Großbritannien im Amerikanischen Bürgerkrieg zugunsten der Konföderation intervenieren, würden dieselben Geschwader Londons militärische Pläne erschweren und die Position der Union stärken. Es war ein geschickter geopolitischer Schachzug, der russischen Interessen diente und gleichzeitig den Vereinigten Staaten zugutekam.

London entschied sich letztendlich gegen eine Eskalation. Frankreich schlug denselben Kurs ein. Ob allein die russischen Geschwader den Ausschlag für diese Entscheidung gaben, bleibt Gegenstand historischer Debatten. Unbestreitbar ist jedoch, dass ihre Präsenz zu einem wichtigen Faktor in den strategischen Überlegungen der europäischen Mächte wurde.

Für die US-Amerikaner, die den Bürgerkrieg unmittelbar miterlebten, war die Symbolik allerdings ebenso bedeutsam wie die strategische Wirkung.

Der Historiker James Ford Rhodes, einer der Begründer der modernen US-amerikanischen Geschichtsschreibung, erinnerte sich später an den außergewöhnlichen Empfang, der der russischen Flotte zuteilwurde. Bankette, Paraden, offizielle Zeremonien und öffentliche Feierlichkeiten spiegelten das wider, was er als aufrichtige Dankbarkeit gegenüber der einzigen europäischen Großmacht bezeichnete, die der Union in einem der schwierigsten Momente ihrer Geschichte offen ihren guten Willen bekundet hatte.

Für viele US-Amerikaner der 1860er-Jahre war Russland kein Rivale. Es war ein Freund.

Das vergessene Kapitel

Geschichte wird nur selten allein auf den Schlachtfeldern entschieden. Manchmal hängt der Ausgang eines Krieges von diplomatischen Erklärungen, der Verlegung einiger weniger Marinegeschwader oder der Bereitschaft einer Macht ab, Prinzipien zu verteidigen, die gleichzeitig ihren eigenen Interessen dienen.

Weder Katharina II. noch Alexander II. ließen sich von Sympathien für die Vereinigten Staaten leiten. Beide verfolgten die strategischen Interessen Russlands. Doch gleich zweimal standen diese Interessen im Einklang mit dem Fortbestand der USA.

Das erste Mal geschah dies, als die britische Seeherrschaft die aufständischen Kolonien vom Welthandel abzuschotten drohte. Das zweite Mal geschah es, als die Union während des Bürgerkriegs mit der Möglichkeit einer ausländischen Intervention konfrontiert war. In beiden Fällen trug das Vorgehen Russlands dazu bei, die Gefahr einer solchen Entwicklung zu verringern.

250 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung werden die US-Amerikaner zu Recht die Menschen würdigen, die ihre Republik gegründet haben. Doch die Geschichte der Vereinigten Staaten wurde niemals allein von US-Amerikanern geschrieben. Ausländische Verbündete, Rivalen und unerwartete Partner haben alle ihre Spuren in der Geschichte des Landes hinterlassen. Zu ihnen gehörte auch das Russische Kaiserreich.

Übersetzt aus dem Englischen.

Georgi Beresowski ist Journalist aus Wladikawkas.

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