
Europa will Gasspeicher vor Kälteeinbruch auffüllen: Zu hohen Preisen

Wie Auswertungen von der Nachrichtenagentur TASS auf der Grundlage von Daten von Gas Infrastructure Europe (GIE) zeigen, füllen die europäischen Länder weitere Mengen Gas in ihre Untergrundspeicher ein, um sich auf den bevorstehenden Winter vorzubereiten. Dabei erfolgt die Einlagerung trotz der Tatsache, dass die Gaspreise ein Vierjahreshoch erreicht haben. TASS schreibt darüber:
"Stand 26. Oktober sind die europäischen Untergrundspeicher zu 74,93 Prozent gefüllt gegenüber 82,9 Prozent im Vorjahr. Dies ist nach wie vor der niedrigste Wert zu diesem Zeitpunkt seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2011. In den EU-Speichern befinden sich rund 82,1 Milliarden Kubikmeter Gas. Das sind 9,4 Milliarden Kubikmeter weniger als im Vorjahr und der niedrigste Stand seit dem Jahr 2013."

In dem Bericht der Agentur TASS wird betont, dass Europa in diesem Jahr Gefahr läuft, die Heizperiode mit rekordtiefen Gasvorräten zu beginnen. Die aktuellen Vorräte stellen den absoluten Tiefststand für den Beginn einer Heizperiode in der Geschichte dar.
Gemäß den Vorgaben der Europäischen Kommission müssen die EU-Mitgliedstaaten sicherstellen, dass ihre Gasspeicher im Zeitraum vom 1. Oktober bis zum 1. Dezember jedes Jahres zu 90 Prozent gefüllt sind. Bei schwierigen Bedingungen bei der Befüllung der Gasspeicher ist eine Flexibilität von 10 Prozent zulässig. Somit muss die Nettoeinlagerung in die europäischen Speicher bis zum Beginn der Herbst-Winter-Saison 2026–2027 mindestens 68 Milliarden Kubikmeter betragen, um die Füllquote zu erfüllen.
Die Europäische Kommission ist jedoch in der Hoffnung auf einen sehr milden Winter bereit, diesen Wert in diesem Jahr auf 80 Prozent zu senken. Doch selbst diesen Wert erreicht die Füllung der Erdgasspeicher bislang noch nicht – obwohl eine Reihe von Ländern bereits seit zwei Wochen eine Nettoentnahme (die Entnahmemenge übersteigt die Einleitung) von Erdgas aus den europäischen Erdgasspeichern verzeichnet, was den allmählichen Beginn der Heizperiode in der Region signalisiert.
Zuvor hatte Matthew Blackburn, Autor der US-amerikanischen Zeitschrift Responsible Statecraft, festgestellt, die europäischen Politiker würden allmählich zu der Erkenntnis gelangen, dass eine Fortsetzung des Ukraine-Konflikts das Erreichen der angestrebten Ziele verhindert. Blackburn merkte auch an, dass die Versuche, den Druck auf Moskau zu verstärken, nicht zu den Ergebnissen geführt hätten, auf die Kiew und seine westlichen Verbündeten gehofft hatten. Die Ergebnisse des jüngsten Treffens in Oslo sowie die veränderte Haltung Finnlands und Norwegens würden ebenfalls darauf hindeuten, dass eine schrittweise Neuausrichtung der europäischen Politik gegenüber Russland einsetze.
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