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SPIEF 2026: Deutsche nehmen wieder offiziell an russischem Wirtschaftsforum teil

Möglicherweise zeichnet sich mit diesem Besuch eine Wende ab: Mehrere deutsche Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Kultur kommen als offizielle Teilnehmer zum wichtigen internationalen Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg. Besonders zahlreich ist die AfD-Delegation: Bekannt sind bislang vier hochrangige Russland-Reisende.
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Deutsche Unternehmer treten nach Jahren des Wegbleibens wieder offiziell beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg auf. Das berichtet die dpa mit Verweis auf deutsche Wirtschaftsvertreter in Russland. Seit Beginn der Militäroperation Russlands in der Ukraine 2022 haben sie dieses wichtige internationale Wirtschaftstreffen aus ihrem Kalender gestrichen. Laut dem Vorstandsvorsitzenden der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer, Matthias Schepp, sei dieser Umschwung auf die Erwartung einer möglichen Entspannung in russisch-westlichen Beziehungen zurückzuführen.

"Nicht zuletzt für den Moment nach einem Waffenstillstand wollen wir wie andere große westliche Länder die wirtschaftliche Brücke nach Russland erhalten und die mehr als 100 Milliarden deutscher Vermögenswerte in Russland schützen", erklärte Schepp gegenüber der dpa. US-amerikanische und französische Vertreter waren bereits seit letztem Jahr mit einem Business-Dialog präsent.

Schepp zufolge solle der Westen "Russland, seinen großen Markt und seine Rohstoffe nicht auf Dauer Asien überlassen". Allein chinesische Unternehmer hätten im ersten Quartal dieses Jahres 1.400 neue Unternehmen in Russland gegründet.
Das St. Petersburger Internationale Wirtschaftsforum (SPIEF) soll vom 3. bis 6. Juni stattfinden. Gastgeber ist der russische Präsident Wladimir Putin.

Laut des Programms nehmen mehrere deutsche Unternehmer an dem Business-Dialog teil, darunter der in Russland tätige Unternehmer Stefan Dürr und der langjährige Globus-Manager Thomas Bruch. Es gibt auch eine Veranstaltung zum Thema "Kultur als Brückenbauer in Krisenzeiten". Daran nehmen nach Angaben der Organisatoren mehrere Deutsche teil, darunter der Dirigent Justus Frantz, der in Russland ungeachtet der Kritik regelmäßig Auftritte leistet. Auch der Berliner Verleger Holger Friedrich und der Filmemacher und Journalist Hubert Seipel reisen als offizielle Teilnehmer zum Forum.

AfD löst Versprechen ein 

Auch eine AfD-Delegation ist angekündigt. Neben dem Vorsitzenden und Landtagsabgeordneten aus Sachsen, Jörg Urban, kommen auch bekannte Bundespolitiker in Russlands nördliche Hauptstadt. Der Bundestagsabgeordnete und baden-württembergische Landesvorsitzende, Markus Frohnmaier, machte sich bereits am Sonntag auf den Weg. Ihm sei bewusst, "dass diese Reise sensibel betrachtet wird".

Er erklärte: "Deutschland braucht eine Politik, die Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und die Interessen der eigenen Bürger wieder stärker in den Mittelpunkt stellt." Frohnmaier, der dafür auch parteiintern in der Kritik stand, schränkte ein: "Meine Teilnahme bedeutet jedoch keine Billigung des Krieges in der Ukraine." Mit seinem Besuch löst Frohnmaier sein mehr als ein Jahr zurückliegendes Versprechen ein, eine Reise nach Russland zu absolvieren. Im Interview mit RT DE sagte er im Februar

"Ich werde auch irgendwann wieder nach Russland fahren, genauso wie nach China oder Indien, denn es handelt sich dabei um relevante Partner, die wir hier in Deutschland weiterhin brauchen. Russland kann man nicht einfach vom europäischen Kontinent verschwinden lassen. Deshalb ist es wichtig und richtig, den diplomatischen Austausch mit allen Beteiligten zu pflegen". 

Laut Medienberichten reisen auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Steffen Kotré und der EU-Parlamentarier Petr Bystron mit. Bystron sagte, in seinem Fall gebe es in der Fraktion keine Genehmigungspflicht für die Reise. Er habe aber unter anderem den AfD-Bundesvorstand darüber informiert.

Nach Angaben der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer sind etwa 1.600 deutsche Unternehmen weiterhin in Russland aktiv. Ihr Umsatz lag im vergangenen Jahr nach Berechnungen der Kammer bei etwa 20 Milliarden Euro.

Zugleich ist das deutsch-russische Handelsvolumen infolge westlicher Sanktionen deutlich gesunken: 2025 fiel es auf unter zehn Milliarden Euro. Bis zum Beginn der westlichen Sanktions-Offensive nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine war Deutschland der größte europäische Handelspartner Russlands – mit einer Summe von 59,7 Milliarden Euro 2021. Den Höhepunkt verzeichnete diese Partnerschaft im Jahr 2012 mit einer Summe von 80 Milliarden Euro.

Deutsche Unternehmen wollen laut Umfrage in Russland bleiben

Nach einer neuen Umfrage der Kammer unter ihren 750 Mitgliedern planen fast alle deutschen Unternehmen ihren Verbleib in Russland, weil sie den Markt für bedeutsam halten. 75 Prozent der 265 Teilnehmer der Befragung gaben an, mit der Entwicklung ihres Russlandgeschäfts zufrieden zu sein – trotz Millioneneinbußen durch die Sanktionen.

Zwei Drittel sind demnach überzeugt, dass die westlichen Sanktionen die russische Wirtschaft stark oder sehr stark beeinträchtigen. Gut ein Drittel der Unternehmen erklärte, dass die Maßnahmen Deutschland mehr schadeten als Russland. Mehr als die Hälfte sind laut Umfrage der Meinung, dass Deutschland und Russland gleichermaßen beeinträchtigt seien.
Auf die Frage "Sollte Deutschland wieder Gas und Öl aus Russland beziehen?" antworteten 65 Prozent mit "ja, je eher, desto besser" und 31 Prozent mit "ja, aber erst, nachdem die Waffen in der Ukraine schweigen".

Im Jahr 2019 waren nach Angaben der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) und der Deutschen Bundesbank etwa 3.650 deutsche Unternehmen vor Ort in Russland aktiv. Diese Firmen beschäftigten 2019 laut Bundesbank mehr als 277.000 Menschen in Russland. Der Höhepunkt der deutsch-russischen wirtschaftlichen Kooperation lag in den zwei Jahren vor Beginn der ersten Sanktionswelle nach dem Beitritt der Krim zu Russland im Jahr 2014. Damals waren ca. 6.000 deutsche Unternehmen in Russland tätig. 

Mehr zum Thema - Collagen über Jahrhunderte deutsch-russischen Verstehen-Lernens (I)

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