
Außenhandel: Frankreich und Deutschland planen Roadmap zur Beseitigung des Exportdefizits mit China

Paris und Berlin wollen offensiv gegen die Handelspraktiken Chinas vorgehen, wie der französische Präsident Emmanuel Macron am Freitag an der Seite von Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte. Zuvor hatte die britische Regierung bekannt gegeben, ein britisches Stahlunternehmen, das zuvor von der chinesischen Jingye Group kontrolliert worden war, verstaatlicht zu haben.

Die Europäische Union ringt derzeit mit der Frage, wie sie mit Chinas wachsender Exportmacht umgehen soll, die laut Kritikern durch großzügige staatliche Subventionen sowie eine angeblich unterbewertete Währung gestützt wird, die chinesische Produkte billiger macht.
Brüssel hat laut dem Sender France 24 Schwierigkeiten, eine klare Position zu finden: Frankreich drängt seit Langem auf ein härteres Vorgehen, während Deutschland – dessen Unternehmen stärker in China investiert haben – traditionell eine vorsichtigere Haltung einnimmt.
Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Merz in der Nähe von Köln im Anschluss an ein Treffen zwischen der französischen und der deutschen Regierung sagte Macron am Freitag, dass "wir derzeit durch Chinas Handelspraktiken erschüttert werden".
Paris und Berlin wollten "bis September einen deutsch-französischen Fahrplan zu diesem Thema vorlegen", sagte er und ergänzte, dass ihre Wirtschafts-, Finanz- und Außenminister mit der Ausarbeitung des Plans beauftragt worden seien. Macron fügte hinzu:
"Wir werden uns erneut mit Nachdruck dafür einsetzen, das Mandat der Europäischen Kommission zu stärken, damit sie bei Marktuntersuchungen und beim Einsatz dieser Instrumente zum Schutz unserer Industrien deutlich schneller vorankommt."
"Wir wollen unsere Unternehmen und unsere Industrien schützen. Wir haben es in der Chemieindustrie gesehen, wir sehen es bei Werkzeugmaschinen, im Automobilsektor und in vielen anderen Bereichen", ergänzte er.
Merz wies zudem darauf hin, dass das Handelsdefizit der EU gegenüber China in den letzten Jahren stark angestiegen sei. "Ich denke, es versteht sich von selbst, dass wir dieses Ungleichgewicht angehen müssen, denn es geht zu Lasten unserer Industrie."
Das Handelsdefizit der 27 EU-Mitgliedstaaten im Warenhandel mit China belief sich im Jahr 2025 auf rund 360 Milliarden Euro, was bedeutet, dass die EU weitaus mehr aus dem asiatischen Land importierte, als sie dorthin exportierte. Das hängt nicht zuletzt mit den selbst verursachten hohen Energiepreisen in der EU und der damit verbundenen schleichenden Deindustrialisierung zusammen.
Im Zusammenhang mit den Vorwürfen, Chinas Währung Yuan sei unterbewertet, forderte Macron einen Dialog mit Peking "über Wechselkurse und die Öffnung der Finanzmärkte". Merz betonte allerdings: "Wenn die chinesische Währung derzeit korrekt bewertet ist, gibt es keinen Grund, ihre freie Konvertierbarkeit für Handelszwecke nicht zuzulassen."
Kurz zuvor hatte es auch in Großbritannien einen Vorstoß gegen Chinas Handelsstrategie gegeben: So hatte London den angeschlagenen Stahlkonzern British Steel verstaatlicht. Die Übernahme des ehemals in chinesischem Besitz befindlichen Unternehmens sei abgeschlossen, teilte die Regierung am Donnerstag mit.
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